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Glossar . Fachbegriffe rund um antike Möbel

Stilepochen, Techniken, Hölzer und Zustandsbegriffe . kurz und klar erklärt aus über 40 Jahren Praxis im Antiquitäten-Haus Heymann in Darmstadt.

Biedermeier
Mitteleuropäische Stilepoche von etwa 1815 bis 1848. Klare Formen, helle Hölzer (vor allem Kirschbaum, Birke und Nussbaum), wenig Verzierung. Bürgerlich, gemütlich, funktional. Typische Möbel: Kommoden, Sekretäre, Sofas, Stühle.
Barock
Stilepoche von etwa 1600 bis 1750. Schwere, repräsentative Möbel mit reicher Schnitzerei und ausladender Form. Hauptsächlich Nussbaum, Eiche und Kirschbaum. Typisch: Schränke, Truhen, barocke Stühle mit geschwungenen Beinen.
Empire
Stilepoche von etwa 1804 bis 1815, geprägt durch das Frankreich Napoleons. Strenge, klassizistische Formen mit Anleihen aus der Antike: Säulen, Lorbeerkränze, Sphinxe. Hauptsächlich Mahagoni mit vergoldeten Bronzebeschlägen.
Klassizismus
Stilepoche von etwa 1770 bis 1830. Rückbesinnung auf antike Formen: Geradlinigkeit, Symmetrie, klare Proportionen. Reduzierte Ornamentik, oft mit Filets, Fächer- und Lorbeermotiven.
Jugendstil
Stilepoche von etwa 1890 bis 1910. Geschwungene Linien, florale und vegetabile Motive, organische Formen. Holz oft Eiche, Buche oder Kirschbaum. Bekannte Vertreter: Henry van de Velde, Richard Riemerschmid.
Art Deco
Stilepoche von etwa 1920 bis 1940. Geometrische, oft symmetrische Formen, edle Materialien wie Mahagoni, Palisander, Makassar. Furniere kunstvoll gelegt. Modernität trifft auf Eleganz.
Gründerzeit
Deutsche Stilepoche von etwa 1871 bis 1890, parallel zum Historismus. Schwere, repräsentative Möbel mit Anleihen aus Renaissance, Barock und Gotik. Eichen- und Nussbaummöbel mit reicher Schnitzerei.
Historismus
Stilrichtung des späten 19. Jahrhunderts (ca. 1850 bis 1900), die historische Stile (Renaissance, Barock, Rokoko, Gotik) zitiert und mischt. Industriell oder handwerklich gefertigt.
Furnier
Dünne Holzschicht (früher gesägt, später gemessert oder geschält) auf einem Trägerholz. Erlaubt aufwändige Maserungen und Muster und ist bei antiken Möbeln Qualitätsmerkmal, nicht Sparmaßnahme.
Massivholz
Vollholz aus einer Holzart, ohne Furnierschicht oder Trägerplatte. Bei antiken Möbeln meist im Korpus und an tragenden Teilen, während Schauflächen oft furniert sind.
Intarsie
Eingelegte Verzierung aus farblich abgesetzten Hölzern, Elfenbein, Schildpatt oder Metall. Wird in eine Vertiefung der Oberfläche eingepasst und verleimt. Typisch für Barock, Klassizismus und Biedermeier.
Marketerie
Flächige Bildgestaltung aus zusammengesetzten Furnierstücken auf der Oberfläche eines Möbels. Im Unterschied zur Intarsie wird das gesamte Bild aus Furnier zusammengelegt und nicht eingelassen.
Handpolitur
Traditionelle Oberflächenbehandlung antiker Möbel, bei der die Politurlösung mit einem Polierballen aus Wolle und Leinen in vielen dünnen Schichten von Hand aufgetragen wird. Ergebnis ist ein tiefer, warmer Glanz, der sich elegant vom modernen Lack unterscheidet.
Patina
Natürliche Veränderung der Oberfläche durch Alter, Licht, Gebrauch und Pflege. Patina ist bei antiken Möbeln gewünscht: Sie macht das Stück unverwechselbar und ist Beleg für Originalsubstanz. Eine zu starke Aufarbeitung kann Patina zerstören und den Wert mindern.
Wachsausbesserung
Reparaturtechnik, bei der kleinere Beschädigungen (Macken, Löcher, Astlöcher) mit eingefärbtem, geschmolzenem Hartwachs ausgefüllt und glattgezogen werden. Die Stelle wird anschließend optisch retuschiert.
Ebenist
Spezialisierter Kunstschreiner, der mit edlen Furnieren, Marketerie und Intarsienarbeiten hochwertige Möbel fertigt. Der Begriff geht auf Ebenholz zurück, das im 17. Jahrhundert als besonders edles Material galt.
Differenzbesteuerung
Steuerrechtliche Sonderregelung für Wiederverkäufer von Gebrauchtwaren, Kunstgegenständen und Antiquitäten in Deutschland (Paragraf 25a UStG). Umsatzsteuer wird nur auf die Handelsspanne (Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis) berechnet, nicht auf den vollen Verkaufspreis. Daher kann auf der Rechnung in der Regel keine Umsatzsteuer separat ausgewiesen werden. Im Einzelfall (z. B. bei gewerblichen Käufern und entsprechender Vereinbarung) ist auch ein regulärer Mehrwertsteuer-Ausweis möglich.
Provenienz
Herkunfts- und Eigentumsnachweis eines Kunst- oder Antiquitätenstücks. Eine nachvollziehbare Provenienz erhöht Wert und Sicherheit eines Stückes und ist im seriösen Antiquitätenhandel ein Qualitätsmerkmal.
Rokoko
Stilepoche von etwa 1730 bis 1770, Spätphase des Barock. Verspielte, asymmetrische Formen mit Muschel- und Pflanzenornamenten (Rocaillen). Geschwungene Beine, üppige Bronzebeschläge. Bevorzugte Hölzer: Nussbaum, Kirschbaum, Mahagoni mit Marketerien.
Louis XV
Französische Variante des Rokoko unter Ludwig XV (1715 bis 1774). Stark geschwungene Cabriole-Beine, reiche Bronzebeschläge, Marketerien aus exotischen Hölzern. Typisch sind Sekretäre, Kommoden und Konsoltische.
Louis XVI
Französischer Frühklassizismus unter Ludwig XVI (1774 bis 1792). Klare, gerade Linien, runde oder kannelierte Beine, antike Motive wie Lorbeerkranz und Mäander. Mahagoni und Satinholz mit feinsten Bronzebeschlägen.
Louis Philippe
Französische Stilepoche von 1830 bis 1848 unter König Louis Philippe. Solide, bürgerlich, oft Mahagoni mit dunkler Politur. Geschwungene Linien des Rokoko kombiniert mit Klarheit des Klassizismus. Französisches Pendant zum deutschen Spätbiedermeier.
Chippendale
Englischer Möbelstil nach Thomas Chippendale (1718 bis 1779). Mahagoni-Möbel mit aufwändiger Schnitzerei, Kombination aus Rokoko-, Gotik- und Chinoiserie-Motiven. Stuhlrücken mit durchbrochenen Mustern sind besonders charakteristisch.
Sekretär
Schreibmöbel mit Klappe oder Auszug, hinter der ein Schreibfach mit kleinen Schubladen und Fächern verborgen ist. Im 18. Jahrhundert entstanden, zentrales Möbelstück im Biedermeier. Sammlerwert hoch, vor allem bei Tabernakel- oder Aufsatzsekretären.
Kommode
Niedriges Möbelstück mit zwei bis fünf übereinanderliegenden Schubladen. Im Barock entstanden, in jeder folgenden Epoche neu interpretiert. Standardmöbel für Schlaf- und Wohnräume.
Vitrine
Schrank mit verglasten Türen zur Aufbewahrung und Präsentation von Porzellan, Silber und Sammelobjekten. Häufig im Biedermeier und Historismus, oft mit Schubladenfuß.
Buffet
Esszimmermöbel zur Aufbewahrung von Geschirr und Gläsern. Klassisches Buffet hat einen unteren Korpus mit Türen und Schubladen sowie einen Aufsatz mit Vitrine. Hauptsächlich Gründerzeit, Jugendstil und Art Deco.
Vertiko
Niedriges Schrankmöbel des späten 19. Jahrhunderts, benannt nach dem Berliner Hersteller Otto Vertiko. Kombiniert Schubladen unten mit einem Vitrinenaufsatz oder offenen Fächern. Heute ein typisches Gründerzeit-Sammlerstück.
Anrichte
Niedriges Esszimmermöbel zum Anrichten von Speisen vor dem Servieren. Korpus mit Türen, Schubladen oder offenen Fächern, oft mit aufgesetzter Marmorplatte. Wichtig in Klassizismus und Empire.
Konsoltisch
Wandgebundener Tisch ohne Hinterbeine, der mit einer Konsole an der Wand befestigt ist. Häufig im Empire und Klassizismus, oft als Spiegelkonsole im Eingangsbereich oder Salon.
Bonheur du jour
Kleines, elegantes Damenschreibmöbel mit Aufsatz und vielen kleinen Schubladen. Im 18. Jahrhundert in Frankreich entstanden, oft mit feinster Marketerie und Bronzebeschlägen.
Nussbaum
Hauptholz vieler Stilepochen vom Barock bis zum Biedermeier. Warme braune bis dunkelbraune Farbe, lebhafte oft wolkig-geflammte Maserung. Sehr stabil, gut zu schnitzen, hervorragend zu polieren. Pyramidennussbaum aus dem Wurzelbereich gehört zu den hochwertigsten Furnieren.
Mahagoni
Tropisches Edelholz aus Mittel- und Südamerika, ab dem 18. Jahrhundert in Europa beliebt. Tiefroter bis dunkelbrauner Ton, sehr feine Struktur. Hauptholz von Empire, Spätbiedermeier, Louis XVI und Art Deco. Echte kubanische Mahagoni-Stücke besonders gesucht.
Kirschbaum
Heimisches Obstholz mit warmem rötlich-braunem Ton, das mit Alter und Licht nachdunkelt. Feine, gleichmäßige Maserung. Hauptholz des süddeutschen Biedermeier, häufig auch in Empire und Louis Philippe verwendet.
Eiche
Heimisches Hartholz mit ausgeprägten Markstrahlen und kräftiger Maserung. Sehr widerstandsfähig. Hauptholz von Renaissance, barocken Schränken, Gründerzeit und vielen englischen Stilen wie Tudor. In der Spiegelschnitt-Variante besonders dekorativ.
Palisander
Tropisches Edelholz aus der Familie der Dalbergien, dunkelbraun bis violett mit charakteristischen schwarzen Streifen. Sehr hart, schwer und teuer. Beliebt im Art Deco, oft als Furnier für edle Schreibmöbel und Esszimmer-Garnituren.
Makassar-Ebenholz
Hartholz aus Indonesien, dunkelbraun bis schwarz mit hellen Streifen. Sehr dicht, schwer, exklusiv. Im Art Deco eines der gesuchtesten Hölzer für hochwertige Möbelstücke und Sammlerobjekte.
Birke
Heimisches Holz mit hellem, gelblich-weißem Ton und gleichmäßiger Maserung. Gut zu polieren. Im Biedermeier zentral als Furnierholz für leichte, helle Möbel im norddeutschen Raum. Karelische Maserbirke besonders dekorativ.
Esche
Heimisches Hartholz, hell und elastisch, mit deutlich sichtbarer Maserung. Im Biedermeier und Klassizismus geschätzt für leichte Stühle und Tische. Eschenmaser besonders gesucht.
Originalzustand
Antikes Möbel im weitgehend ursprünglichen Zustand: Originalpolitur (oder behutsam restaurierte Politur), originale Beschläge, originale Furniere, keine späteren Umbauten. Erhöht den Wert deutlich, vor allem bei Sammlerstücken.
Restaurationsgrad
Anteil restaurierter Substanz an einem Möbel. "Behutsam restauriert" meint kleine Ausbesserungen unter Beibehaltung der Patina. "Stark restauriert" oder "überarbeitet" meint umfangreiche Eingriffe, die den Wert mindern können.
Echtheitsmerkmal
Konstruktive oder handwerkliche Details, die ein originales antikes Möbel von einer Reproduktion unterscheiden: Holzwurmspuren, oxidierte Rückwände, handgeschmiedete Beschläge, unregelmäßige Schubladenführungen, Originalpolitur unter UV-Licht.
Werterhalt
Antiquitäten verlieren bei guter Pflege selten an Wert und können langfristig sogar wertbeständiger als moderne Möbel sein. Wichtig sind angemessenes Raumklima, sanfte Pflege und behutsame Restaurierung.
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